Alltagssexismus und andere Respektlosigkeiten

Ich bin wirklich erstaunt über die laufende Diskussion zu alltäglichem Sexismus in Deutschland. Aber mal im Ernst meine Damen, wir sind alle davon betroffen. Als schwuler Mann muss man täglich mit Sexismus kämpfen und sich wehren! Aber Männer gehen damit wohl generell anders um und sind auch irgendwie immer Opfer und Täter.

Ich habe gerade als junger Schwuler und dazu noch mit einer Turnerfigur ausgestattet jeden Tag mit Sexismus zu tun gehabt, wenn ich mich in der Szene bewegt habe. Kaum einer hat sich für mich als Mensch interessiert, ich war einfach oft „Frischfleisch“. Das ist unglaublich verletzend und ich musste mir selbst Strategien erarbeiten, wie ich damit umgehen, oder besser diese Annäherungen umgehen konnte.

Im Lauf der Zeit stumpft man als schwuler Mann ab. Ich habe mir eine selbstbewusste, dicke Haut zugelegt und kann heute ausreichend gut kontern, wenn es mir unangenehm ist.

Männer sind eben gelegentlich hormonell übersteuert und vielleicht entwickelt sich so ein gewisses Verständnis für den anderen. Dennoch muss ein Nein vom Gegenüber akzeptiert und respektiert werden. Selbst wenn ich in eine schwule Sauna gehe, ist das nicht mit einem Freifahrschein gleichzusetzen mich anzufummeln! „Du willst das doch auch, sonst wärest Du nicht hier/hättest dir was anderes angezogen“ oder so ähnlich, darf es einfach nicht geben!

Freud könnte uns dazu sicherlich einige hilfreiche Hinweise geben. Sexismus scheint mir auch oft ein Ausdruck der eigenen (gefühlten?! 😉 ) Position in der Hierarchie zu sein. Da fragt man sich doch, ob man den Weg aus dem Affenrudel zum Mensch in einer sozialen Gesellschaft wirklich geschafft hat 😉

Wenn mir das passiert ist, habe ich mich immer wahnsinnig aufgeregt und geärgert, dass ich mehr zu bieten habe (naja hatte 😉 ) als einen Waschbrettbauch und dicke Oberarme. Das schien aber kaum einen zu interessieren. Irgendwann begann ich das zu meinem Vorteil zu nutzen. Und dann ertappt man sich hin und wieder dabei, wie schwer es manchmal sein kann, sein Gegenüber so zu respektieren, wie es einfach notwendig ist. Mit zunehmendem Alter nimmt man jüngere Menschen oft weniger Ernst und dann ist man auf einmal auf der anderen Seite des Geschehens. Eigentlich würde ich jetzt sagen „ich bin eben auch nur ein Mann“, aber das kann es ja nicht sein. Im 21. Jahrhundert sind wir Männer nicht mehr Opfer unserer Hormone.

Leider geht dabei der gegenseitige Respekt dann völlig flöten, wenn man den Spieß umdreht. Und das ist das Gefährliche an der Sache: Wenn man sich nicht mehr respektiert, werden Grenzen überschritten, die wir für das Zusammenleben aber dringend brauchen.

Dennoch halte ich es für wichtig, dass man offensiv gehen solches Verhalten vorgeht. Ein Patentrezept gibt es da sicher nicht, aber zum Glück individuelle Beratungsangebote.

Fazit: Mehr Respekt – weniger Sexismus!

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