Ehe für alle – JETZT!!! Ein Brief an die Kanzlerin

Ausgerechnet am Internationalen Tag gegen Homo- und Trans*phobie vertagen die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und die SPD-Bundestagsfraktion zum 27. Mal die Anträge zur Ehe für alle im Bundestag und ignorieren damit die verfassungsmäßige Beratungszeit! Die Bundesregierung und die SPD postete schöne Bildchen auf Facebook und Twitter, dass sie sich gegen Diskriminierung einsetzen (würden). Was eine perfide Scheiße!!!

Ich bin es wirklich Leid, dass Politiker*innen glauben gottgleich entscheiden zu können, wem Menschenrechte zuteil werden und wem nicht!

Aus diesem Grund habe ich der Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Brief geschrieben, den ich hier veröffentliche. Machen Sie Schluß mit der Abwertung nicht-heterosexueller Liebe! Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität müssen für alle Menschen gelten – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit!

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
liebe Angela Merkel,

viele Jahre war ich Mitglied der CDU und habe für die gemeinsamen politischen Ziele gekämpft. Wir haben gemeinsame Wahlkämpfe bestritten, miteinander verhandelt und gefeiert. Als stellvertretender LSU-Vorsitzender habe ich mich über viel Bewegung in der Union freuen dürfen, die ich mit angestoßen und vorangetrieben habe.

Und nun herrscht in diesem Feld Stillstand. 27 Male hat der Ausschuss eine weitere Beratung vertagt und somit ein Gesetz blockiert, was eigentlich gut zu unseren Grundwerten passt. Die Freiheit den Menschen zu heiraten, den man liebt. Die Gerechtigkeit dies frei von Diskriminierung und Ungleichbehandlung tun zu dürfen und die Solidarität der Gesellschaft zu genießen. Wieso gewähren Sie uns das nicht? Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gelten nicht für Lesben, Schwule und Trans*Menschen in Deutschland?!

In der vergangenen Woche ist ein schwuler Mann in Berlin umgebracht worden. Homophobie ist für uns leider immernoch an der Tagesordnung. Sie verunsichert uns, auch in weltoffenen Städten wie Berlin. Es ist nicht immer körperliche Gewalt, aber auch das Zögern, ob man sich an der Arbeitsstelle dazu bekennen kann, ist belastend. Können Sie sich vorstellen, Sie müssten verstecken eine Frau zu sein aus Angst vor Zurückweisung, Ausgrenzung oder Jobverlust? Wir müssen das zum Teil über Jahre oder Jahrzehnte ertragen. Welche Folge das für die Psyche hat, können Sie in vielen Studien nachlesen. Diskriminierung grenzt so an Körperverletzung!

Sie haben als erste Frau im Bundeskanzleramt Geschichte geschrieben und als Bundeskanzlerin sind Sie auch in Ländern unterwegs in denen Frauen nicht wählen dürfen, nicht die gleichen Rechte genießen wie Männer. Wie fühlt sich das für Sie an? Schmerzt Sie das als Frau nicht, dass Frauen, nur weil sie keine Männer sind, herabgewürdigt werden, ihnen die volle Selbstbestimmung versagt wird?!

Uns geht es nicht anders. In einer Runde mit CDU und CSU Abgeordneten sagte man mir: „Das eine sind Äpfel, das andere sind Birnen. Es ist alles Obst und somit gleich viel wert.“ Ein schöner Satz, aber leider ist die Schlussfolgerung falsch. Solange die Äpfel entscheiden, dass Birnen nicht heiraten dürfen können, solange sind sie nicht gleich viel wert. Die einen entscheiden über die anderen. Dass Männer heute noch über die Rechte von Frauen entscheiden, ist heute in Deutschland zum Glück undenkbar. Wieso nehmen Sie sich das Recht heraus über uns zu entscheiden?!

Sie verletzen uns damit persönlich tief in unserem Inneren. Mit jeder Vertagung teilen Sie uns mit, „die sind es nicht wert zu heiraten“ und „wir sind besser als die“. Die Arroganz der Reden im Bundestag sind jedes Mal Stiche in die Herzen der Lesben und Schwulen in diesem Land. Bitte hören Sie damit auf! Gewähren Sie uns endlich die gleichen Rechte und hören auf mit der Zweiklassengesellschaft der Menschenwürde!

Wir haben doch gemeinsam schon mehr erreicht als diesen kleinen Schritt. Das Transsexuellengesetz zum Beispiel. Birnen, die als Äpfel geboren wurden (und umgekehrt) dürfen so leben, wie es Ihnen entspricht. Apfelbirnen (Intersexuelle) müssen endlich nicht mehr operiert werden, um Apfel oder Birne zu sein. Hier haben wir grundlegend die Menschen- und Selbstbestimmungsrechte zumindest verbessert. Bei diesen grundlegenden Fragen hatten Sie die Kraft dazu. Bei der Frage, ob ein Apfel eine Birne heiratet, oder eine Birne eine Birne, scheitern Sie nun?! Mensch ist Mensch! Die Menschenwürde ist unantastbar. Beenden Sie diese eklatante Verletzung unserer Würde!

Vielleicht geben Sie mir ein weiteres Mal die Möglichkeit persönlich miteinander zu sprechen und geben sich selbst die Möglichkeit die Gefühle zu verstehen, die diese Politik bei uns auslöst. Bleiben Sie als Kanzlerin nah bei den Menschen und verstehen Sie uns.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Björn Beck

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