#PoBe2014 – Positive Begegnungen

Ich war zum ersten Mal auf einer „Selbsthilfekonferenz“ und das als bisher ausgemachter „Selbsthilfemuffel“. Meine Erfahrungen mit der Aidshilfe waren eher dürftig und ernüchternd, meine Fragen konnten nicht beantwortet werden und meine Anregungen wurden nicht ernst genommen.

Über meine Kritik an diesen Dingen bin ich zur Gruppe PRO+ Hessen, ein Netzwerk HIV-Positiver in Hessen gekommen. Und da hat man mir empfohlen mal „reinzuschnuppern“, um aktuelle Informationen zu erhalten, aber auch mal um den Verband der Deutschen Aidshilfe ein bisschen besser kennenzulernen.

Also habe ich mich durch 4 Tage Workshops gehört und tatsächlich auch wieder was gelernt. Vor allem habe ich viele tolle, engagierte und mutige Menschen kennengelernt. Gerade weil ich selbst zwar selbstbewusst mit meiner Infektion umgehe, aber noch nicht überall geoutet bin und ich für diesen Schritt noch ein wenig Zeit brauche. Es war ein tolles Gefühl diese grell-orangen T-Shirts überall auf dem CSD zu sehen „POSITIV – nicht infektiös“. Sogar einige Negative haben das Shirt getragen und Solidarität gezeigt.

Die etwa 450 Teilnehmer_innen haben einen Beirat von 12 Menschen gewählt, die die Deutsche Aidshilfe beraten sollen. „Positiver Ratschlag“ heisst das, aber es wird noch diskutiert, denn auch ein Ratschlag ist ein Schlag. Ich habe ebenfalls für PRO+ Hessen kandidiert und bin auch gewählt. Herzlichen Dank an alle für das Vertrauen, ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit!

Es war wirklich beeindruckend, wie viel Fachwissen auf vielen Ebenen dieses Themas in Kassel vertreten war. Die Workshops waren breit gefächert und manchmal hätte ich gern in dreien gleichzeitig gesessen.

Spannend waren die Diskussionen zum Thema Heilung. Für mich persönlich spielt das Thema keine Rolle. Ich fühle mich gesund, vertrage meine ART und kann niemanden anstecken. Nach einer vielleicht sogar aufwendigen und möglicherweise auch schmerzhaften Heilungsprozedur (ich denke an die zwei Stammzelltransplantationen von Timothy Ray Brown, dem „Berlin-Patienten“) müsste ich wieder konsequent mit Gummi ficken – und wenn nicht, wieder die Angst vor der Re-Infektion durchmachen. Nein, das will ich nicht! Ich will, dass die Medikamente allen (!) Menschen mit HIV zugänglich sind – nicht nur potenziell, sondern tatsächlich. Dazu müssen die Pharmakonzerne auch mal auf fette Gewinnmargen verzichten und den Menschen aus Solidarität helfen. In den Industrieländern werden dafür ja horrende Summen gezahlt.

Die Datenvorstellung der neuen SMA-Studie hat mich auch sehr interessiert, da ich mitgemacht habe und nun lange auf die Ergebnisse gespannt war. 88% der HIV-Positiven in Deutschland sind in Therapie – davon wiederum sind 90% unter der Nachweisgrenze und so nicht infektiös. Das ist doch der Hammer! Damit sind knapp 80% der diagnostizierten Infizierten nicht ansteckend! Wenn das nicht dazu geeignet ist, das Stigma von HIV (auch so ein Workshopthema) abzubauen, was dann?!

Gerade in der LGBTIQ-Community gibt es noch immer krasse Vorbehalte und Ausgrenzung von HIV-Positiven. Das erlebe ich auch immer wieder – gerade letztens auf Twitter, wo man mich ziemlich direkt darauf hingewiesen hat aus diesem Grund nicht mit mir eine Pizza essen zu wollen. Ihr verklemmten Wixer werdet mal wach und hört auf andere herabzuwürdigen, um euch besser zu fühlen! Ihr wollt nicht ausgegrenzt werden, also haltet euch auch dran!

Gute Aktion und Seite: www.nichtinfektioes.de

Schade nun, dass ich wohl viele erst in zwei Jahren bei der nächsten PoBe wiedersehen werde. Ein paar ja bei PRO+ Hessen und ein paar beim „Rat ohne Schlag“. Und vielleicht sogar eins, zwei mal privat.

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