WAT2016 – #positivzusammenleben

Ein langer, kurzweiliger Wegwat-2016_motiv-bjoern-beck

Der Schritt nach meiner Diagnose aktiv zu werden, war für mich schnell klar. Jedoch schien mir lange ein öffentliches Outing als HIV-positiver Mann ausgeschlossen.

Ich begann schnell mich im hessischen Netzwerk von Menschen mit HIV „PRO+ Hessen“ zu engagieren und in der Zusammenarbeit mit anderen schnell Mut und Selbstbewusstsein. Der nächste Schritt waren dann die Positiven Begegnungen und die Wahl zu den „PositiHIVen Gesichtern“. Wieder lernte ich viele engagierte, tolle Menschen kennen und als Sprecher der Gesichter wollte ich auch denen eine Stimme geben, die noch nicht den Mut fassen können, laut zu werden. Das tat ich schließlich mit einem Fernseh-Interview. Die Reaktionen überraschten mich. In wenigen Minuten nach der Ausstrahlung erhielt ich unzählige Nachrichten auf Facebook – und alle ausschließlich positiv und unterstützend. Damit war für mich das Eis gebrochen.

Als ich in New York beim High-Level-Meeting zu HIV und AIDS gefragt wurde, ob ich mir vorstellen kann für die Kampagne zum Welt-AIDS-Tag zur Verfügung zu stehen, sagte ich sofort zu.

Beim Fotoshooting in Hamburg war ich aufgeregt, aber eher in Erwartung des Settings und der Ergebnisse. Mich erwartete eine unglaublich freundliche Crew von der Agentur, dem Fotografen, eine Mitarbeiterin der BZgA, die Statisten für die Motive und natürlich Kollegen der DAS und DAH. Es war ein sonniger Tag, die Stimmung am Set war super und wir hatten wirklich eine Menge Spaß. So stand ich doch einige Stunden mal mit meinem Schild „GEGENHIV HAB’ ICH MEDIKAMENTE. GEGEN DUMME SPRÜCHE NICHT.“ in der Hand und mal ohne in dieser schönen Neubausiedlung in Hamburg und konnte die Passanten beobachten, wie sie darauf reagierten. Die meisten nahmen nur das Shooting war, die Botschaft auf dem Schild ging unter. Nur ein paar wenige schauten genauer hin und fragten nach. Das waren tatsächlich spannende Momente. „Wichtiges Thema!“ sagte eine Dame, ging dann aber ohne weiteren Kommentar weiter. Das bestätigt meinen Eindruck, dass HIV auch abseits vom WAT wieder mehr Thema werden muss. AIDS macht betroffen, aber HIV gerät aus dem Blick. Deshalb habe ich mich entschieden aktiv zu werden und hier mitzumachen, um HIV ein Gesicht zu geben.

Auf dem Rechner konnte ich schon einige Bilder sehen und irgendwie war ich schon ganz kribbelig Teil dieser Kampagne „positiv zusammen leben“ zu sein. Die Kampagne 2015 hatte ich scharf kritisiert, weil sie falschen Vorstellungen in der Allgemeinbevölkerung gar nicht, oder nicht entschieden genug widersprach. Es gab danach ein sehr konstruktives Gespräch, wie diese Kampagnen verbessert werden können. In Hamburg drehten wir dann noch einen kurzen Video-Clip und dann ging es für mich zurück nach Frankfurt.

Der nächste Schritt war der Video-Dreh. In Köln verbrachten wir zwei Tage mit dem Dreh der Clips. Ich freute mich riesig die beiden anderen Menschen der Motive zu treffen. Wieder waren Wetter und Stimmung super und wir haben viel gelacht, aber auch ganz ernsthafte Gespräche rund um das Thema geführt. Die Agentur hat die Kernbotschaften wirklich verstanden und versucht ein authentisches Bild von uns in den Clips festzuhalten und die Botschaft der Kampagne deutlich zu machen: Es darf keine Diskriminierung mehr von Menschen mit HIV geben, denn es ist die Diskriminierung, die uns heute krank macht. Gegen HIV haben wir Medikamente, gegen Diskriminierung leider nicht.

Sowohl beim Fotoshooting als auch beim Dreh der Clips stand im Vordergrund welche persönlichen Erfahrungen ich mit meiner Infektion gemacht habe und was mir im Alltag geschieht. Von der enormen Unterstützung meiner Familie und Freunde über die Verweigerung von Terminen bei Zahnärzten zu ganz unterschiedlichen Reaktionen auf Dating-Portalen im Netz habe ich meine ganz persönliche Geschichte von ‚meinem HIV’ erzählen können und wie ich mir vorstelle, wie wir alle ‚positiv zusammen leben’ können.

Menschen, die sich aus Angst verstecken, werden wir mit unserer Prävention nicht erreichen. Mir war wichtig zu zeigen, dass HIV mein Leben nicht zerstört hat, dass ich gut damit lebe und mich absolut gesund fühle.

Jetzt freue ich mich auf die Präsentation der Kampagne und bin gespannt auf die Reaktionen der Menschen. Es ist ein schönes Motiv mit einer wichtigen Botschaft, die hoffentlich viele Menschen erreicht und zum Nachdenken anregt. Diskriminierung und Angst schaden uns allen – positiv, oder negativ – viel mehr als HIV, denn sie nehmen uns Kraft und beeinträchtigen unser Urteilsvermögen und damit auch die Gesundheit. Angst ist niemals ein guter Ratgeber. Ich hoffe, dass ich mit dieser Kampagne Menschen Angst nehmen kann. Angst vor Menschen mit HIV, aber auch Angst vor der Infektion. Denn diese Angst ist dafür verantwortlich, dass Menschen sich nicht testen lassen. Mir hat der Test meine Gesundheit gerettet, denn ich konnte früh mit der Therapie beginnen und war auch schnell unter der Nachweisgrenze und seitdem nicht mehr infektiös. Für mich ein wunderbarer Nebeneffekt und die endgültige Verbannung der Angst vor HIV aus meinem Schlafzimmer.

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