We are family…

Seine Familie kann man sich nunmal nicht aussuchen und deshalb zofft man sich auch so gerne innerhalb der Familie.

Über das Motto des CSD-Frankfurt 2016 hat sich die „Familie“ gerade ganz schön gezofft. Unter dem Motto „Lieb Geil!“ sollten sich alle vereinen und gemeinsam die Liebe für alle fordern. Aber wie sollen sich Menschen unter einem Motto und mit einer Symbolik zusammenscharen, die in ihrem Ursprung genau das Gegenteil zum Ziel hatte?

Zugegeben, die Idee des CSD-Vereins war mutig und offensiv. Sie wollte genau die provozieren, die uns auseinanderdividieren wollen, die uns unsere Rechte absprechen und die es eklig finden, wenn wir zu unserer Liebe stehen. Auch viele Jahre nach der Schoah ist die Kraft der Symbolik noch nicht gewichen und Menschen haben sich davon verletzt und ausgegrenzt gefühlt. Man könnte nun sagen „diese Weicheier sollen sich nicht so anstellen“, „wenn man es [Satire] nicht versteht, dann ist das persönliches Pech“, oder „war ja wieder klar, dass so ein paar Tunten nicht den Mumm für diese Provokation haben“. Aber genau damit bestätigen wir dann die Klischees, weil wir die vermeintlich Schwachen, die die Emotionen zeigen, die zu ihren persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen stehen, nicht ernst nehmen.

Solange wir versuchen „straightacting“ und „heterolike“ zu sein, solange wir in unsere Chatprofile „keine Alten“, „keine Dicken“, „keine Asiaten“, „nur Gesunde“ schreiben, solange verleugnen wir uns selbst. Und so kann man nicht einfordern akzeptiert zu werden, denn wir akzeptieren uns selbst und gegenseitig nicht!

„We are family“ und „I am what I am“ wurden Hymnen unserer Emanzipationsbewegung, weil wir uns solidarisiert haben! „Straightacting“ kann man keinen CSD feiern, damit schlagen wir den Tunten, Drags, Strichern und allen Aktivist*innen der Stonewall-Aufstände in die Magengrube! Den Menschen, denen wir verdanken, dass wir nicht interniert, verfolgt und umgebracht werden! Schämt Euch!

Wenn sich zwei Männer gegenseitig in den Arsch ficken und sich die Kolben lutschen, ist das alles andere als „heterolike“. Solange wir glauben, es sei erstrebenswert als schwuler Mann „heterolike“ zu sein, solange haben wir uns selbst nicht akzeptiert und werten andere automatisch ab. Diese Abwertungen unter einander gehen mir tierisch auf die Eier! Wir biedern uns  den Diskriminieren an, liefern die aus, die sich nicht wehren können, oder wollen und sind noch stolz darauf uns zu entsolidarisieren und selbst zu verleugnen.

Ich wünsche mir eine Community, die wieder mit Überzeugung unsere Hymnen singt. I am what I am, and what I am needs no excuses! Also fickt euch, die ihr mich abwerten wollt. Behaltet eure Vorurteile und kehrt vor eurer eigenen Tür!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.